6. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
Unterziele
• Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/AIDS zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.
• Bis 2010 weltweiten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle HIV/AIDS-Infizierten erreichen, die diese benötigen.
• Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.
Kurzüberblick
• Jeden Tag infizieren sich fast 7500 Menschen mit HIV und 5500 Menschen sterben täglich an Aids. Im Jahr 2007 waren schätzungsweise 33 Millionen Menschen an HIV/Aids erkrankt.
• Die Zahl der Menschen, die mit einer HIV- Infizierung leben, ist von etwa 29,5 Millionen im Jahr 2001 auf 33 Millionen im Jahr 2007 gestiegen. Der Großteil dieser Menschen lebt im südlichen Afrika. Dort waren im Jahr 2007 etwa 60 Prozent der infizierten Erwachsenen Frauen.
• Malaria tötet jährlich ungefähr eine Million Menschen. Davon sind 80 Prozent afrikanische Kinder unter fünf Jahren, die im südlichen Afrika leben. Es gibt nach wie vor jährlich zwischen 350 und 500 Millionen Malariafälle weltweit.
• Etwa 250 Millionen mit Insektiziden behandelte Moskitonetze wären nötig, um eine Versorgung von 80 Prozent der Bevölkerung im südlichen Afrika zu erreichen. Die bisher aufgebrachten Finanzmittel reichen lediglich für 100 Millionen Netze, das ist weniger als die Hälfte des Gesamtbedarfs.
Aktuelle Situation
Die meisten Länder schaffen es kaum, die Vorgaben des Millennium Entwicklungsziels 6 zu erreichen: einen allgemeinen Zugang zu Medikamenten für HIV/Aids-Patienten bis 2010 zu gewährleisten und die Verbreitung von HIV/Aids bis 2015 einzudämmen. Schätzungen
über die Anzahl der mit HIV neu infizierten Menschen gingen von drei Millionen im Jahr 2001 auf 2,7 Millionen im Jahr 2007 zurück. Es wird erwartet, dass die Anzahl der infizierten Menschen im südlichen Afrika langsam steigen wird und dass weltweit die Anzahl auf dem aktuellen Stand bleiben wird. Grund dafür ist die lebenserhaltende Wirkung antiretroviraler Medikamente und ununterbrochenes Bevölkerungswachstum.
Der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten stieg 2007 um beispiellose 42 Prozent, was hauptsächlich durch den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria finanziert wurde. Ende 2007 erhielten drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern eine Aids-Behandlung. Allerdings ist das nur ein geringer Anteil der schätzungsweise 9,7 Millionen Betroffenen, die eine Behandlung benötigen.
Vorbeugung ist 28 Mal effektiver als eine Behandlung. Ein flächendeckendes HIV-Vorsorge-Paket könnte 29 Millionen (oder 63 Prozent) der 45 Millionen Neuinfizierungen, die zwischen 2002 und 2010 erwartet werden, verhindern. Die Anschaffungskosten würden pro
Jahr etwa 4,2 Millionen US-Dollar betragen. Die Prävention von HIV ist äußerst wichtig um die Epidemie zu kontrollieren. In Ländern, in denen die Informationen zur Verfügung stehen, wissen lediglich 40 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, wie HIV übertragen wird und wie man eine Infizierung verhindert. Die Zahlen liegen weit unter den veranschlagten 95 Prozent.
Zwischen 75 und 85 Prozent aller HIV-positiven Erwachsenen wurden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr angesteckt, wobei heterosexueller Sexualverkehr etwa 70 Prozent aller Fälle weltweit ausmacht. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass nachhaltige, intensive Programme zur Verhaltensänderung, die für eine häufigere Benutzung von Kondomen, einen späteren Zeitpunkt erster Sexualkontakte und weniger Sexualpartner werben, die Ansteckungsrate reduzieren.
Die internationale Finanzierung von HIV/Aids-Programmen in Niedrig- und Mittellohnländern erreichte im Jahr 2007 den Betrag von zehn Millionen US-Dollar – ein zehnfacher Anstieg in weniger als einem Jahrzehnt. Dennoch ist diese Summe nicht ausreichend, da für die Unterstützung im Kampf gegen Aids 18 Millionen US-Dollar benötigt
werden.
Fortschritte wurden hingegen bei der Eindämmung der Malaria erzielt. Besonders wirkungsvoll waren dabei Moskitonetze, deren Produktion zwischen 2004 und 2007 von 30 auf 95 Millionen weltweit gestiegen ist. Zusammen mit zusätzlichen Hilfsmitteln hat dies zu einem schnellen Anstieg bei der Anzahl der bereitgestellten und verteilten Moskitonetze geführt. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) beispielsweise erhöhte die Zahl der Netze von sieben Millionen auf beinahe 20 Millionen zwischen 2004 und 2007. Der Globale Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose weitete zwischen 2004 und 2006 die Verteilung sogar von 1,35 Millionen auf 18 Millionen aus. Zu Beginn dieses Jahres forderte der UNO-Generalsekretär die flächendeckende Verteilung in Afrika bis zum Jahr 2010, um Todesfälle wegen Malaria zu verhindern. Ein großer Anstieg bei der Finanzierung und eine erhöhte Aufmerksamkeit für Malaria haben die Kontrollmechanismen in vielen Ländern verbessert. Dies war durch viele Spenden möglich, beispielsweise durch die Bill and Melinda Gates Foundation, die Malaria-Initiative des US-Präsidenten, den Globalen Fonds, die Weltbank, das Booster Programm zur Malariabekämpfung und andere Partnerschaften. Im Jahr 2006 gab es schätzungsweise 1,7 Millionen Todesfälle aufgrund von Tuberkulose. Außerdem gab es 14,4 Millionen Infizierte, von denen etwa 9,2 Millionen neu hinzugekommen waren. Der Erfolg im Kampf gegen Tuberkulose hängt von der Früherkennung, von neu infizierten Betroffenen und wirkungsvollen Behandlungsmethoden ab. Es wird erwartet, dass die Ausbreitung von Tuberkulose bis zum angestrebten Termin im Jahr 2010 gestoppt und verringert werden kann.
Ein wichtiger Bestandteil der Prävention und Behandlung infektiöser Krankheiten ist, besonders bei vernachlässigten Tropenkrankheiten, ein adäquater Zugang zu unverzichtbaren Medikamenten. Tropenkrankheiten betreffen nach wie vor eine Milliarde Menschen unter den Ärmsten der Welt. Ihre lähmenden Wirkungen wird die Armut in jenen Ländern aufrechterhalten. Solange die Medikamente für die Bevölkerung der Entwicklungsländer unbezahlbar bleiben, werden auch die Millenniums-Entwicklungsziele hier nicht erreicht werden.
Seit der Verabschiedung der Millennium Entwicklungsziele hat sich die öffentliche Entwicklungshilfe für Gesundheitsmaßnahmen mehr als verdoppelt. Insgesamt ist zwischen 2000 und 2006 die Summe von 6,8 Milliarden auf 16,7 Milliarden gestiegen.
Quelle: UN MDG Report 2008
