CMDG

MDGs


5. Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter

Unterziele
• Zwischen 1990 und 2015 die Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel senken.
• Bis 2015 allgemeinen Zugang zu reproduktiver Gesundheit erreichen.

Kurzüberblick
• Schätzungen aus dem Jahr 2005 zufolge stirbt jede Minute eine Frau durch Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Deswegen sterben pro Jahr mehr als 500.000 Frauen. Innerhalb einer Generation sterben zehn Millionen Frauen. 99 Prozent dieser Frauen leben und sterben in Entwicklungsländern.
• Dabei gibt es unter den Ländern bei der Müttersterblichkeitrate große Unterschiede: Im südlichen Afrika liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau aufgrund von behandelbaren oder vermeidbaren Komplikationen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und der Entbindung stirbt bei 1 zu 22. In den Industrieländern ist lediglich eine von 7.300 Frauen davon betroffen. Das Risiko, durch Komplikationen in Zusammenhang mit der Schwangerschaft zu sterben, liegt für Frauen in Nigeria bei 1 zu 7; in Schweden dagegen nur bei 1 zu 17.400.
• Jedes Jahr verlieren etwa eine Million Kinder ihre Mutter. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder, deren Mütter gestorben sind, frühzeitig sterben ist zehn Mal höher als bei anderen.

Aktuelle Situation
Die Müttersterblichkeitsrate ist in weiten Teilen der Entwicklungsländer nach wie vor inakzeptabel hoch. Das Millennium Entwicklungsziel 5, die Müttersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2015 um drei Viertel zu reduzieren, macht von allen Zielen am wenigsten Fortschritt.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben bestätigt, dass bis zu 15 Prozent der schwangeren Frauen aller Bevölkerungsgruppen unter potenziell tödlichen Komplikationen während der Geburt leiden. Dies sind 20 Millionen Frauen im Jahr. Mehr als 80 Prozent der Fälle von Müttersterblichkeit sind auf fünf direkte Ursachen zurückzuführen: Schwere Blutungen, Blutvergiftung, gefährliche Methoden der Abtreibung, Geburtshindernisse und Bluthochdruck während der Schwangerschaft. In etwa 21 Prozent der 500.000 Fälle von Muttertod pro Jahr sterben Frauen infolge von starken Blutungen. Diese Komplikation kann in weniger als zwei Stunden zum Tod führen. Um Leben zu retten, müssen die Blutungen sofort eingedämmt werden, Bluttransfusionen gegeben oder die Patientin sofort ins Krankenhaus gebracht werden.

Weltweit gesehen ist die Müttersterblichkeit zwischen 1990 und 2005 pro Jahr um etwa 1 Prozent zurückgegangen. Damit bleibt die Rate weit zurück hinter den jährlich erforderlichen 5,5 Prozent, die für das Erreichen des Millennium Entwicklungsziels notwendig wären. Nordafrika, Lateinamerika, die Karibik und Südostasien haben es in dieser Zeit geschafft, den Anteil der Müttersterblichkeit um ungefähr ein Drittel zu senken. Allerdings war dies nicht genug, um das Ziel zu erreichen. Die Fortschritte im südlichen Afrika sind fast unbedeutend; in dieser Region ist die Sterblichkeitsrate von Müttern am höchsten.

Im Jahr 2006 war bei 61 Prozent der Geburten in den Entwicklungsländern geschultes medizinisches Personal anwesend, verglichen mit nur etwa 50 Prozent im Jahr 1990. Die Versorgung durch medizinisches Personal bei Geburten ist allerdings weiterhin besonders gering in den Regionen mit der höchsten Müttersterblichkeit, in Südasien (40 Prozent) und im südlichen Afrika (47 Prozent).

Die meisten Todesfälle von Müttern in diesen Gebieten könnten verhindert werden. In den Industrieländern ist der Tod von Müttern während der Schwangerschaft und bei der Geburt äußerst selten. Auch in Ostasien und Lateinamerika ist die Sterberate von Müttern zurückgegangen – in manchen Ländern sogar bis zu 50 Prozent. Aber in Afrika und Südasien sind Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt nach wie vor die vorrangige Todesursache für Frauen. In einigen Ländern nimmt der Anteil sogar noch zu.

Jugendschwangerschaften haben seit 1990 in fast jedem Entwicklungsland abgenommen. Allerdings war der Rückgang äußerst langsam. In denjenigen Regionen, in denen der Anteil der Schwangerschaften im Jugendalter besonders hoch ist, sind die Zahlen sogar gestiegen. Dazu gehören beispielsweise die Länder im südlichen Afrika. Es ist um 50 Prozent wahrscheinlicher, dass Mädchen im Alter zwischen 15 und 20 während einer Schwangerschaft sterben als Frauen zwischen 20 und 30. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen unter 15 bei der Entbindung stirbt, ist sogar fünf Mal höher als bei älteren Frauen.

Das Risiko für eine Mutter zu sterben steigt mit jeder Schwangerschaft. Allerdings haben 200 Millionen Frauen, die eine Schwangerschaft gerne hinauszögern oder gar verhindern würden, keinen Zugang zu sicheren und wirkungsvollen Verhütungsmitteln. Jedes Jahr finden in den Entwicklungsländern ungefähr 19 Millionen gefährliche Abtreibungen statt, die für etwa 68.000 Frauen zum Tode führen.

Allein durch eine ganzheitliche Versorgung mit Verhütungsmitteln könnte ein Drittel aller Sterbefälle von Müttern weltweit verhindert werden. Durch weniger Schwangerschaften und einem großen zeitlichen Abstand zwischen den Kindsgeburten kann die Überlebenschance für Mutter und Kind erhöht werden. Trotzdem bleibt das Millennium Entwicklungsziel 5, nämlich die umfassende Gesundheitsversorgung von Müttern während der Schwangerschaft, in vielen Ländern ein unerfüllter Traum.

Öffentliche Entwicklungshilfe zur Unterstützung einer gesunden Schwangerschaft, einschließlich der Gesundheit für Mütter, Neugeborene und Kleinkinder ist zwischen 2003 und 2006 von 2,1 Milliarden US-Dollar auf 3,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Allerdings war dies nicht genug, um die gesteckten Millennium Entwicklungsziele zu erreichen. Experten schätzen, dass zwischen 5,5 und 6,1 Milliarden US-Dollar nötig sind, um das fünfte Millennium Entwicklungsziel tatsächlich zu erreichen.

Weitere Infos: UN MDG Report